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Fürchtet Euch nicht! - Weihnachtsfeier in der Kirche

17. Dezember 2009 von Redaktion DER SONNTAG   


Für viele, die in der Wirtschaftskrise durchgeschüttelt wurden, ist Weihnachten eine Zeit zum Durchatmen. Auch wenn ihnen das Kind von Bethlehem ganz fern erscheint.

Der Engel mit der Weihnachtsbotschaft kam als erstes zu den Hirten auf dem Feld. Zu den Zitternden, den nicht Abgesicherten, zu den Arbeitern. »Fürchtet Euch nicht!«, rief er ihnen zu. Heute würde der Engel wohl auch zu denen kommen, die Angst um ihre Zukunft haben. Was ist Weihnachten am Ende eines Jahres der tiefen Wirtschaftskrise?

»Angst haben wir alle gehabt«, sagt Erik Springer. Jeder Vierte seiner einstmals 2200 Kollegen im Radebeuler Druckmaschinenwerk KBA Planeta verlor 2009 seine Arbeit. Das Jahr wurde für Springer zu einer Achterbahnfahrt zwischen Hoffen und Bangen – so wie für viele in Deutschland. Und die Erinnerung an die Entlassenen schmerzt.

»Jetzt ist Weihnachten«, sagt Springer, der Glück hatte und seine Arbeit behält. »Da kann man mal durchatmen und abschalten nach all den Turbulenzen.« Zur Ruhe kommt er mit vielen Kollegen und ihren Kindern in der Radebeuler Lutherkirche, wo seine Firma wie schon in den vergangenen Jahren zusammen mit der Kirchgemeinde eine Weihnachtsfeier für die Belegschaft vorbereitet hat. Eingeladen wurden diesmal nicht nur alle Mitarbeiter – sondern auch alle Entlassenen. Das war auch Wolfgang Beiersdorf wichtig, dem Chef der Personalabteilung bei Planeta.

»Das durfte man das Jahr über gar nicht so an sich rankommen lassen«, sagt der Manager nachdenklich, wenn er an die vielen Gesichter der Entlassenen denkt, in die er sehen musste. »Jetzt in der Weihnachtszeit ist auch für mich die Zeit, mich einmal auf mich selbst und das Jahr zu besinnen. Und um Kraft zu schöpfen.« Für Beiersdorf und viele der Mitarbeiter ist die Kirche ein guter Ort dafür. Doch die Weihnachtsbotschaft, dass Gott ausgerechnet zu den mühseligen und beladenen Menschen gekommen ist, bleibt ihnen fremd. Viele kennen sie nicht, viele verstehen diese merkwürdige Geschichte auch nicht. Und viele berührt sie deshalb nicht.

Nur für 47 Prozent aller Deutschen ist die Geburt Jesu bestimmend für die Heiligen Nacht, fand das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK heraus – mehr als zwei Drittel sind der Meinung, Weihnachten habe seine religiöse Bedeutung verloren. Im Osten Deutschlands dürften diese Werte noch weitaus höher liegen.

Ohne Trost aber bleibt das Weihnachtsfest für viele der so denkenden Menschen nicht – auch für viele der Radebeuler Maschinenbauer. Sie suchen ihre Hoffnung woanders. »Weihnachten ist das Fest der Freude, der Liebe und der Familie«, sagt der Ingenieur Michael Kastner und sieht lächelnd seinem kleinen Sohn zu, wie er eine Adventskerze rot ausmalt. Die Familie ist für 93 Prozent aller Deutschen zum Mittel- und Zielpunkt des Heiligen Abends geworden, fand das Meinungsforschungsinstitut Forsa heraus. Nur 41 Prozent wollen Weihnachten einen Gottesdienst besuchen. Nicht mehr Maria, Josef und das Jesuskind steht in der Mitte: Die eigene Familie ist zur Heiligen Familie geworden.

Die Liebe Gottes – das ist das Weihnachtliche auch im nicht-christlichen Weihnachten – findet ihren Abglanz in der Liebe der Menschen zueinander. Und sie setzt ganz irdische Hoffnungen frei. »Dass jetzt die Talsohle erreicht ist«, wünscht der Maschinenbauer Erik Springer. »Dass es wieder aufwärts geht im nächsten Jahr«, hofft der Ingenieur Michael Kastner und blickt auf seinen Sohn. Wohl auch deshalb sind sie mit ihren Kindern in die Radebeuler Lutherkirche zur Weihnachtsfeier gegangen, obwohl die meisten der Kollegen selbst keine Christen sind.

Unterm großen gelben Stern begrüßt sie Pfarrer Christian Mendt im

leuchtend roten Gewand als Bischof Nikolaus: »Friede sei mit Euch!« Die Kinder und ihre Eltern antworten zögerlich und leise. Erst beim zweiten Versuch legt sich die Scheu vor der unglaublichen Botschaft. Und sie sprechen fester und lauter: »Friede sei mit Euch!

Andreas Roth

Redakteur: Mathias Meitzner  - letzte Aktualisierung: 16.05.2017
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